WARUM LATEIN ALS 2. FREMDSPRACHE ? - Eine Information für Schüler und Eltern

1.   Der praktische Nutzen

1.1  Das Latinum bzw. das Kleine Latinum (gesicherte Lateinkenntnisse) ist in Fächern wie z. B. Deutsch, Geschichte, Englisch, Französisch, Spanisch Studien- bzw. Prüfungsvoraussetzung. Nützlich oder teilweise erforderlich sind fundierte Lateinkenntnisse für weitere Studiengänge wie z.B. Pharmazie, Medizin, Jura, Philosophie und Theologie. Der spätere Erwerb von Lateinkenntnissen bzw. des Latinums kostet viel Zeit und Energie; dagegen erwirbt sich jeder Schüler des Gymnasiums das Latinum, der nach 5 Jahren Pflichtunterricht am Ende der Jahrgangsstufe 10 mindestens die Note "ausreichend" vorweisen kann. (Bei mindestens Note 4 im Jahreszeugnis der Jahrgangsstufe 9 kann bereits das “Kleine Latinum“ bestätigt werden.)

1.2  Latein ist die "Muttersprache" der romanischen Sprachen Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Rumänisch und erleichtert daher das Erlernen dieser Sprachen erheblich.

1.3  Latein bietet in allen europäischen Sprachen eine hervorragende Hilfe zum Verstehen von Lehn- und Fremdwörtern und ist weltweit der Grundstock und das unerschöpfliche Reservoir für die wissenschaftliche und technische Begriffswelt - besonders auch im Bereich des Englischen. Ca. 60% des englischen Wortschatzes, in dem die Spitzenforschung (Naturwissenschaften, Raumfahrt, Computertechnologie etc.) fast ausschließlich kommuniziert und publiziert, geht auf das Lateinische zurück. Gerade im Hinblick auf die europäische Einigung kommt somit der gemeinsamen Basissprache Latein eine herausragende Bedeutung zu.

1.4  Ein guter Lateinunterricht leistet eine intensive Unterstützung für den Deutschunterricht und fördert in besonderem Maß das muttersprachliche Ausdrucksvermögen. Durch ständiges Vergleichen zwischen dem Lateinischen und der Muttersprache lernen die Schüler diese erst richtig kennen. Lateinschüler wissen, was Grammatik ist, und sie verstehen, wie Sprache funktioniert.

 

2.   Grundsätzliche Erwägungen

2.1  Latein fördert - ähnlich wie die Mathematik - in besonderem Maß das logische und analytische Denken und stellt damit eine wertvolle Vorbereitung für jeden Beruf und jedes Studium dar. (In Übereinstimmung mit Gutachten von Universitäten stellte die Studienstiftung des deutschen Volkes wiederholt fest, dass Abiturienten mit Lateinkenntnissen "mehrfach und mit Abstand" am besten abschnitten.)

2.2  Das Lateinische zwingt zum genauen, sogenannten "mikroskopischen" Lesen und erhält damit gerade in unserer modernen Welt eine immer wichtigere Funktion: Latein erzieht in besonderem Maß zur Genauigkeit, Gründlichkeit und Konzentration.

2.3  Wer Latein lernt, nimmt intensiv teil an der "klassischen Bildung", der sich Millionen Menschen in der vom europäischen Geist geprägten Welt verpflichtet fühlen. Latein und seine Literatur fördern das Geschichtsbewusstsein, wecken ein Gespür für kulturelle Kontinuität und bieten Hilfen bei Erkenntnisprozessen und Lösungsansätze für existentielle Probleme. Gerade unter europäischen Vorzeichen gewinnt auch in diesem Kontext unser gemeinsames lateinisches Erbe erhöhte Attraktivität und Aktualität.

2.4  Latein ist nicht schwerer als andere Fremdsprachen, wie z.B. das Französische, zumal es im Gegensatz dazu keinerlei Belastung durch Rechtschreib- und Ausspracheregeln gibt. Der Wortschatz ist begrenzt, die Grammatik klar und logisch aufgebaut, die Literatur überschaubar.