Freiwilligendienst in Bolivien

Magdalena Röckert, eine ehemalige Schülerin des PPG, reiste nach dem Abitur nach Bolivien, um dort ihren Freiwilligendienst abzuleisten. Sie schickte uns folgenden Bericht:

"Jetzt bin ich schon über fünf Monate hier im FAMUNDI-Projekt in Santa Cruz in Bolivien. Mein Freiwilligendienst von sechs Monaten neigt sich also dem Ende zu. [...] Meine Arbeit bestand hauptsächlich aus Zeit mit Kindern. Ich habe vormittags und nachmittags in Hort und Kindergarten geholfen. Außerdem gab es jeden Samstag einen Spielevormittag vorzubereiten und durchzuführen. Im Hort konnte ich mich einzelnen Kindern widmen und ihnen bei den Hausaufgaben helfen, wohingegen ich im Kindergarten eher als Universalhelfer eingesetzt wurde. Wasser verteilen, kehren, Lego spielen, Kinder duschen und umziehen, Essen austeilen, mit Hoppehoppereiter entertainen oder an der Rutsche aufpassen, dass keiner runter gestoßen wird. So anstrengend das auch oft war, die Arbeit dort hat mir besonders Freude bereitet. Beim Spielevormittag konnten wir Volontäre immer selbst entscheiden, was wir machen und je nachdem wie viele Kinder kamen (immer ca. fünf bis 15 im Alter zwischen drei und 13) hat das dann auch immer recht gut geklappt. Es gab Spiele, Obstsalat, Pfannkuchen, Basteln, Arbeitsblätter, Weihnachtsplätzchen backen, Kinderfasching und noch viel mehr!
Wir Volos hier in FAMUNDI sind aber nicht nur für die Kinder da, sondern auch für die Familien. Das Projekt unterstützt ca. 30 arme Familien auf der Basis des christlichen Glaubens. Jede Woche gibt es einen Gebetsabend und eine Stunde der Anbetung hier im Haus, die wir vorbereiten mussten. Einmal im Monat gehen alle zusammen in die heilige Messe und treffen sich danach für ein gemeinsames Frühstück und einige Spiele. Zusätzlich zu diesen Veranstaltungen, musste ich jede Woche eine Familie zu Hause besuchen. Dann wurde ich meistens nachmittags eingeladen, auf eine Limonade und ein bisschen Quatschen. Besonders die Mütter freuen sich über so einen Besuch. Sie erzählen dann über ihr Leben und teilweise auch über ihre Probleme. Was ich festgestellt habe ist, dass den Volontären hier ein sehr großes Vertrauen entgegengebracht wird und alle sehr beeindruckt sind, dass wir solange freiwillig helfen. Die Familienbesuche waren deswegen oft sehr schwer verdaulich, aber unglaublich bereichernd! Insgesamt zu sehen, wie die Menschen hier wohnen, ist oft schwierig. Da lebt eine ganze Familie mit fünf Kindern in zwei Räumen mit drei Betten oder eine Mutter mit ihren vier Söhnen in einer Blechhütte und teilt sich mit ihnen ein Bett. Umso schöner ist es dann zu sehen, wie das Projekt hier hilft. Dass es auch Familien gibt, die schon lange dabei sind und sich ein Haus mit Vorgarten, Überdachung und mehreren Räumen leisten können. Das Projekt versucht nicht nur finanziell zu helfen, sondern v.a. durch Unterstützung der Kinder in der Schule und bei Krankheitsfällen in der Familie. Die Menschen sollen möglichst selbstständig aus der Armut herausfinden.
Im Dezember waren wir Volos besonders gefragt. Da mussten wir vormittags drei Wochen lang (anstelle des Horts) Adventsstunden für die Kinder vorbereiten und nachmittags über  500 Plätzchen in verschiedenen Geschmacksrichtungen für die Familien backen. Da gab es gar keine freie Zeit mehr und umso mehr haben wir dann unsere Weihnachtsferien genossen. Diese wurden gleich ausgenutzt um eine kleine Rundreise durch Bolivien zu machen. Dabei ging es über Sucre, zur Salzwüste nach Uyuni, weiter zum Titicacasee und nach La Paz. Wir sind sogar bis nach Cusco und zum Machupicchu gekommen! Es war sehr beeindruckend, all diese unterschiedlichen Landschaften, Städte und Dinge zu sehen. Auf der Reise haben wir auch sehr viele andere junge Backpacker kennengelernt und aufgrund unseres blendenden Spanischs natürlich gleich viele Kontakte geknüpft. ;) Insgesamt komme ich hier mit der Sprache sehr gut klar. Ich habe mich gleich am Anfang gut eingewöhnt und Verständigungsprobleme gab’s eigentlich nicht. Ich muss aber doch zugeben, dass ich die cruceños bis heute manchmal nicht verstehe. Sie reden (v.a. halt hier im Armenviertel) sehr schnell und undeutlich. Wenn dann noch irgendwo laute Musik dröhnt oder man im Bus sitzt, wird’s schwer. Trotzdem kann man immer nachfragen und so kommt man sehr gut miteinander aus.
Freunde? Ja, habe ich auch schon gefunden! Es gibt vom Projekt eine Jugendgruppe, die sich immer samstags abends trifft. Leider läuft diese zurzeit mehr schlecht als recht und es kommen immer nur vier Jugendliche. Mit diesen verbringen wir aber dafür jede Woche viel Zeit und machen manchmal Ausflüge. Meinen Geburtstag habe ich deswegen zum Beispiel in der kleinen Runde in einem Stadtpark  verbracht, mit Limonade, Chips, Fußball und Musik.
Jetzt bleiben mir noch weniger als zwei Wochen hier und ich versuche so viel wie möglich zu erleben und gleichzeitig alle letzten wichtigen Dinge zu erledigen. Am 3. März geht es dann für mich nach Salta. Von dort zieht es mich weiter nach Buenos Aires, [...]Córdoba und über die Grenze nach Chile nach Santiago, Valparaíso und Osorno. Im Mai komme ich dann wieder zurück nach Deutschland.

Ganz viele Grüße aus dem heißen Santa Cruz, nach Hause nach Franken! :-)
Magdalena "