Geldpolitik aktuell: Vortrag für die WR-Kurse der Q12

Am 16. Dezember 2016 referierte der stellv. Direktor der Bundesbank-Filiale in Nürnberg, Herr Johann Rebl, für die Schülerinnen und Schüler der „Wirtschaft und Recht“-Kurse der Q12-Oberstufe über die „Geldpolitik des Eurosystems im Zeichen von Finanz- und Staatsschuldenkrise“.

Zu Beginn seines Vortrages zeigte Herr Rebl die wesentlichen Merkmale und Inhalte europäischer Geldpolitik auf und unterschied dabei Begriffe wie ESZB, Eurosystem und EZB. Er verdeutlichte anhand konkreter Beispiele, dass selbst seriöse Medien nicht immer sehr sorgfältig mit diesen Begrifflichkeiten umgehen und verdeutlichte den Schülerinnen und Schülern dadurch die Notwendigkeit einer intensiven Beschäftigung mit dem Thema Geldpolitik im Rahmen des Wirtschaft- und Recht Unterrichts am bayerischen Gymnasium.

Anschließend gab Herr Rebl einen kurzen Überblick über die wirtschaftlichen Turbulenzen der letzten Jahre, die letztlich ein Dreiklang aus Staatsschulden-, Banken- und (Real-) Wirtschaftskrise waren. Problematisch und Ursache von Unstimmigkeiten innerhalb der Währungsunion sei es, dass die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank für den gesamten Euroraum einheitlich gelte, die Nationalstaaten jedoch weitgehend unabhängige Fiskal-, Sozial- und Lohnpolitik betrieben. Die Folgen zeigen sich in Unterschieden bei der Schuldentragfähigkeit und Schuldenbewältigung, der Inflationsrate und vor allem bei der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

Das zentrale Ziel der Europäischen Zentralbank ist die Gewährleistung der Preisniveaustabilität. Dieses Ziel ist dann erreicht, wenn die Teuerungsrate mittelfristig unter, aber nahe 2% im Vorjahresvergleich liegt. Herr Rebl zeigte auf, dass es innerhalb des EZB-Rates durchaus unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, ob die derzeit weit darunterliegenden Raten deflationäre Tendenzen aufzeigen oder nicht. Letztlich reagiert das Eurosystem seit einiger Zeit mit einer massiven Leitzinssenkung und Liquiditätsbereitstellung darauf. Die umfangreichen Anleihenkäufe der EZB sieht der Vertreter der Deutschen Bundesbank aber überaus kritisch. Insbesondere die Ankäufe von Unternehmensanleihen entsprächen dabei nicht dem Verständnis der Bundesbank von klassischer Geldpolitik.

Der anschauliche Vortrag von Herrn Rebl und das bereitwillige Beantworten der zahlreichen Schülerfragen trugen dazu bei, den angehenden Abiturientinnen und Abiturienten einen Einblick in aktuellste geldpolitische Fragestellungen zu ermöglichen und die im WR-Unterricht behandelten Themen zu vertiefen und zu festigen.

StR F. Heinz