Feuerbachquartett am Paul-Pfinzing-Gymnasium

Das Feuerbachquartett, bestehend aus vier jungen Musikern, die alle in Nürnberg studiert haben, war am 5. Mai auf Einladung des Fördervereins zu Gast im PPG. Es gab ein Werkstattkonzert für die Schüler und ein öffentliches Konzert in der Aula der Schule. Die Spezialität des Quartetts ist dabei aber nicht die Klassik, sondern Pop- und Rockbearbeitungen.

Klassik und Pop - die Musiker des Feuerbachquartetts sind in beiden Welten gleichermaßen zu Hause. Pop und Rock bekommt man bei Interesse von klein auf sowieso sozusagen gratis mit, die Technik am Instrument und das Knowhow fürs Arrangieren haben alle vier in ihrer klassischen Hochschulausbildung erworben.

Der rührige und engagierte Förderverein des PPG hatte den Kontakt zu Jamila Musayeva (Vl), Max Eisinger (Vl), Eugen Huber (Vla) und Lukas Kroczek (Vc) hergestellt.

Am Vormittag gab es für die Schüler des Musischen Zweiges ein Werkstattkonzert mit Mozart, Dvorak und Schostakowitsch. Die große Unterschiedlichkeit dieser Klangwelten wurde durch Informationen zu den Komponisten und Werken verstehbar gemacht. Zum Schluss erklangen noch aktuelle Songs, z.B. „Rather Be“ (Clean Bandit) und es gab Raum für Fragen. Die Schüler waren begeistert.

Das Abendkonzert diente der Vorstellung der neuen CD des Quartetts: „Knights and Fools“. Liebhaber des klassischen Streichquartetts kamen jedoch ebenso auf ihre Kosten, denn perfekte Bogentechnik und Intonation, virtuose Besonderheiten wie z.B. Doppelflageoletts und Pizzicati mit der linken Hand sind Selbstverständlichkeiten. Ebenso der volle, ausgewogene Klang und Qualitäten des Zusammenspiels, die in intensiver gemeinsamer Arbeit perfektioniert worden sind. Zu diesen klassischen Fähigkeiten aber kommen viele Besonderheiten, die auch besonderen Spaß machen, hinzu: die Musiker singen oder pfeifen im Intro mehrstimmig, beziehen das Publikum mit ein, das auch singen darf, wie bei „Schrei nach Liebe“ (Die Ärzte) oder bei „Hey Jude“ (Beatles). Sie spielen sowieso alles auswendig und im Stehen (nur der Cellist nicht) und gewinnen so eine Freiheit, die die überbordende Spielfreude und das Zusammenspiel nochmals intensiviert. Das Cello darf schon mal wie ein E-Bass gehalten werden („Seven Nation Army“ /White Stripes), die Streichinstrumente werden zu Rhythmusinstrumenten, man setzt sich mit einer Minigitarre ums Lagerfeuer, und das exotische japanische Instrument Otamatone bekommt ein quiekendes Solo. Verbunden und zum Teil erläutert werden die Nummern durch die launige Moderation von Max Eisinger.

Natürlich kann das kundige Ohr Einsprengsel aus der Klassik erkennen. So Vivaldis Frühling bei „Radio“ (Wise Guys) und Prokofieffs Thema aus Romeo und Julia bei „Lovefool“ (Cardigans). „Tainted Love“ (Soft Cell) beginnt mit Schuberts Leiermann-Motiv und wird später von ungarischen Czardas-Klängen unterbrochen. Ein besonderer (Erkennungs-) Spaß für die älteren Semester: Die Ritter aus „Knights of Cydonia“ (Muse) verirren sich in den wilden Westen und reiten zur Bonanza-Melodie.

Noch zu erwähnen: Großer sinfonischer Sound in den beiden Bond-Themen „Writings on the Wall“ und „Skyfall“. Letzteres ist der erste Song, den das Quartett vor dreieinhalb Jahren für sich geschrieben hat. Jedes Mitglied des Quartetts bringt seine Vorlieben, Ideen und Bearbeitungen ein und so ergibt sich die große stilistische Bandbreite.

Ein besonders vergnüglicher Abend, in dem das Feuer (sic!), die musikantische Spielfreude und die Lust am Ausleben von Phantasie und Kreativität aufs Publikum übersprangen.

Die Künstler durften erst nach zwei Zugaben gehen.