11. Bayerisches Theaterjugendclubtreffen

Theatertage Nürnberg
„It´s over“ hieß es am Sonntagnachmittag. Da war das Schauspielhaus seit Donnerstag von über 250 Jugendlichen in Besitz. Diese gehörten zu 12 Theatergruppen aus dem gesamten bayerischen Raum und dem Jugendtheater Charkiv, das extra aus der Ukraine angereist war, um am 11. Bayerischen Theaterjugendclubtreffen teilzunehmen. Dafür stellte Schauspieldirektor Klaus Kusenberg vom 20. bis zum 23. Juli sein Haus zur Verfügung.
Neben den jungen Schauspielern nahmen auch noch zwei Schülergruppen teil. Diese bestanden aus einem P-Seminar des Nürnberger Willstätter Gymnasiums und Schülerinnen des Paul-Pfinzing-Gymnasium aus Hersbruck. Ihre Aufgabe war es, die 13 Stücke in Teams anzusehen und Rezensionen darüber zu schreiben, die an alle Teilnehmer verteilt wurden.
Nach der Anreise der Gruppen am Donnerstagvormittag begrüßten Organisatorin und Theaterpädagogin Anja Sparberg und ihr Team die Theaterbegeisterten auf der Schauspiel-Bühne. Anschließend ging es in Workshops, für die die Jugendlichen zugelost wurden, um ein gutes „Mischungsverhältnis“ untereinander zu erreichen. In Gruppen wie „Brecht“ oder „Meierholt“ arbeiteten Schauspieler oder Theaterpädagogen mit ihnen. Diese standen ihnen außerdem für die gesamte Zeit ebenfalls als Coachs und Ansprechpartner zur Seite.
Abends fand bereits das erste Stück statt: „De Amore“ des Jungen Gärtnerplatztheaters aus München. Und genauso ging es an den folgenden Tagen weiter. Neben vielen sehenswerten Theaterstücken gab es Nachgespräche, an denen die zugeteilten Gruppen kreativ wurden und kurz ihre Bewertung zu dem jeweiligen Stück darstellten, beispielsweise aus der Sicht des Regisseurs oder Bühnenbildners. Auch viele Freizeitaktionen durften nicht fehlen, so z.B. Eis essen gehen oder eine Feuershow vor der Abschlussparty am Samstagabend. Viele Mädels fanden sich auch begeistert an den beiden Nähmaschinen ein, zur Verfügung gestellt von der Theaternäherei, um kleine Taschen oder Röcke aus ehemaligen Werbeplakaten des Staatstheaters anzufertigen.
Schauspielerische Highlights waren wohl das Theaterstück des Theaters aus Charkiv, das die Zuschauer emotional mitriss und das „Heimspiel“ des Jugendclubs des Nürnberger Staatstheaters, die ein beeindruckendes Werk aus Schauspiel und Musik zum Thema Internet zeigten.
Aber auch alle anderen Stücke, die zu sehen waren, überzeugten. Gespielt von Jugendlichen für Jugendliche, mit einer Bandbreite an unterschiedlichsten Themen, angefangen mit der Parallelwelt `Absurdia´, einem Musiktheater über Liebe, über die Geschichte der EU bis hin zu`Café und Sugar´ und der Reise des kleinen Prinzen.
Und nicht nur deutsche Jugendliche und junge Erwachsene waren unter den Akteuren, sondern sie stammten aus allen Ländern der Welt, viele von ihnen sind als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen.
Am Ende des langen Theaterwochenendes konnte man bei den meisten zwar ein deutliches Schlafdefizit erkennen, aber dieses hat einen vernichtend geringen Stellenwert hinter den Erlebnissen, die alle Teilnehmer mit nach Hause nahmen.
Michelle Ermer

Photos: Jutta Missbach