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Auf den Spuren der Geschichte: Hersbrucker Gymnasiasten erkunden den Hesselberg

Es ist der höchste Berg Mittelfrankens, ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Naturbegeisterte. Doch der Hesselberg trägt auch eine schwere historische Last. Dieser Ambivalenz stellten sich zwei Klassen des Paul-Pfinzing-Gymnasiums (PPG) Hersbruck. Im Rahmen des Geschichtsunterrichts unternahmen die Schülerinnen und Schüler eine Exkursion zu dem markanten Höhenzug, um vor Ort tiefer in die Mechanismen der nationalsozialistischen Propaganda einzutauchen. Im Zentrum des Interesses standen die sogenannten „Frankentage“. Zwischen 1933 und 1939 machten die Nationalsozialisten den Hesselberg zu einem ihrer wichtigsten propagandistischen Zentren in Süddeutschland. Initiiert von Julius Streicher, dem berüchtigten Gauleiter von Franken und Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes Der Stürmer, strömten jährlich bis zu 100.000 Menschen zu den Kundgebungen auf den Berg. In Hersbruck und im Umland hielten ebenfalls die Sonderzüge, die die Teilnehmende zum Hesselberg brachten.
Die wissenschaftliche Begleitung vor Ort übernahm die Historikerin Dr. Andrea Erkenbrecher, eine ausgewiesene Expertin für die NS-Geschichte des Hesselbergs und Bildungsreferentin am Evangelischen Bildungszentrum. Unter ihrer Leitung startete die Klasse eine Erkundungstour über das Gelände, der auch zur historischen Osterwiese führte. Erkenbrecher erklärte , wie genau dieser Ort inszeniert wurde: Die Osterwiese diente den Nationalsozialisten als riesiger Aufmarschplatz für die Massenkundgebungen der Frankentage. Durch den Gang über die weitläufige Fläche bekamen die Schüler ein direktes Gespür für die monumentalen Dimensionen und die manipulative Architektur, mit der die Machthaber die Besucher damals zu beeindrucken versuchten. Nach dem topographischen Überblick im Gelände wechselte die Exkursion in eine Phase intensiver eigener Recherche. Im Rahmen der pädagogischen Arbeit wurden die Schülerinnen und Schüler selbst aktiv: In Kleingruppen setzten sie sich u. a.  intensiv mit der nie vollendeten „Adolf-Hitler-Schule“ auseinander, die als Kaderschmiede des Regimes auf dem Berg geplant war. Ausgerüstet mit Archivmaterial untersuchten die Gruppen historische Quellen, darunter alte Fotografien, Baupläne und Textdokumente aus der NS-Zeit. Finanziell unterstützt wurde die Fahrt vom Bezirk Mittelfranken.
Anbei die Bildbeschreibungen:
Bild 1: Foto: S. Leister
Bild 2: An die jeweiligen NS-Kreisleitungen versandten Abzeichen/Plaketten für den Frankentag 1935; es fehlt auf dem Diagramm der größte Posten mit 75.900 Abzeichen, die an die Kreisleitung Nürnberg-Stadt gingen. Diagramm: EBZ Hesselberg
Bild 3: Sockel des 1936 fertiggestellten „Hoheitsadlers“ mit Hakenkreuz an der Auffahrt zum Berg. Sockel und Adler waren je drei Meter hoch. Foto: A. Erkenbrecher
Bild 4: Eine der wenigen baulichen Überreste, die auf die Planungen einer Adolf Hitler-Schule auf dem Hesselberg hinweisen: Betoneinlassung für Fahnenmast