Brüsselfahrt des P-Seminars „Politik Erleben“

Vom 20. bis zum 24. Oktober 2018 unternahm das P-Seminar „Politik Erleben“ zusammen mit ausgewählten Schülern der 12. Klasse des Paul-Pfinzing-Gymnasiums unter der Leitung der Sozialkundelehrerin Christina Maier eine politische Studienreise nach Brüssel, dem Sitz der EU. Nach einer erfolgreich durchgeführten U18 Wahl am eigenen Gymnasium für die Jahrgangsstufen 10-12, einem Besuch einer Stadtratssitzung in Nürnberg sowie einer Exkursion in den Bayerischen Landtag, wollte das Seminar auch Erfahrungen im Bereich der EU-Politik sammeln. Ziel war es, sich dabei nicht mehr nur auf die politischen Abläufe im eigenen Land zu beschränken, sondern auch über die europäischen Organe oder bayerische Politik in Brüssel Bescheid zu wissen.

Das durch die Schüler geplante Programm begann nach einer entspannten Busreise mit unserem einmaligen Busfahrer Uwe am zweiten Tag mit dem Besuch des Atomiums, einem der wichtigsten Wahrzeichen von Brüssel. Das für die Weltausstellung von 1958 eröffnete Gebäude begeisterte nicht nur durch seine außergewöhnliche Architektur von außen, sondern auch durch die halbjährlich wechselnde Kunstaustellung im Inneren. Im Anschluss erhielt die Gruppe einen ersten Gesamteindruck der Metropole, und zwar auf einer geführten Stadtführung zunächst mit dem Bus. Diese endete nach drei abwechslungsreichen Stunden zu Fuß am zweiten Wahrzeichen der Stadt, „Manneken Pis“, der diesmal kubanisch gekleidet war.

Der darauffolgende Tag startete mit einem Besuch des Europäischen Parlaments, unter der Führung eines Mitarbeiters der Institution. Den Teilnehmern der Brüssel-Fahrt wurde der Plenarsaal gezeigt und  die grundsätzlichen Funktionsweisen des Parlaments , sowie die unterschiedlichen Abstimmungsformen erläutert. Neben der eigentlichen Aufgabe des Parlaments, über Gesetzesentwürfe der Europäischen Kommission abzustimmen, blieb besonders die komplexe Arbeit der Dolmetscher in Erinnerung. Da jeder Abgeordnete bei Versammlungen die Möglichkeit bekommt in seiner Landessprache zu sprechen, werden auch Dolmetscher für jede Sprache benötigt. Beim Übersetzen kann es dabei dann häufiger dazu kommen, dass das Gesagte über Umwege zunächst in die englische Sprache und dann erst in die Zielsprache übertragen wird. Um nun dennoch gewährleisten zu können, dass die Übersetzung richtig ist, müssen die Dolmetscher ihre Sprachen perfekt beherrschen.

Gleich danach konnten die Schüler ihr neu erlangtes Wissen auf die Probe stellen, und zwar im „Parlamentarium“.

Bei einem packenden, interaktiven Planspiel konnten die Reiseteilnehmer selbst ein Gesetzgebungsverfahren durchspielen. Die komplette Gruppe wurde hierbei in vier verschieden große Parteien aufgeteilt, die jede ihren eigenem Standpunkt und Interessen vertraten. Daraufhin wurden ihnen neue EU Richtlinien vorgestellt, über welche sie sich anschließend zuerst in den eigenen Parteien unterhielten und auf eine gemeinsame Meinung zu der vorgeschlagenen Richtlinie kommen sollten. Zu berücksichtigen war dabei , dass man nicht aus seiner eigenen Überzeugung, sondern aus Sicht der einem zugeteilten Partei argumentieren musste. Anschließend begannen die hitzigen Diskussionen zwischen den verschiedenen Fraktionen, zusätzlich zu mehreren Interviews und zahlreichen Reden bezüglich der neuen Richtlinien. Nach einigen Stunden der Verhandlungsarbeit konnten sich die Schüler dann schließlich auf eine Version der Richtlinien einigen, mit welcher fast alle zufrieden waren. Dies markierte dann auch den Schluss des sehr lehrreichen und spannenden Planspiels, welches einen intensiven Einblick hinter die Kulissen der Gesetzgebung gab.

Der letzte Tag der Reise fing mit der Besichtigung der Bayerischen Vertretung in Brüssel an, welche direkt gegenüber dem EU-Parlament liegt. Christoph Spegele, der für die europäischen Angelegenheiten des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege zuständig ist, verschaffte einen Einblick in die Lobbyarbeit des Freistaats und betonte dabei die Wichtigkeit dieser Institution. Denn da die Vertretung lediglich für das Bundesland Bayern zuständig ist, kann sie verstärkt auf die Meinungen einzelner eingehen und diese in Abstimmungen einfließen lassen, als es auf Bundesebene möglich wäre.

Abschließend stand unser letzter politischer Programmpunkt auf der Tagesordnung: Ein Besuch beim Ausschuss der Regionen (AdR). Rainer Steffens, der Vertreter Nordrhein-Westfalens im AdR, gab uns einen kurzen Überblick über dessen Mitglieder und deren Arbeit für Europa. Den Schülern wurde erklärt, dass der Ausschuss dafür sorgt, dass auch den subnationalen Gebietskörperschaften, also zum Beispiel einzelne Regionen, Bezirke oder Provinzen in der EU Gehör verschafft wird. Auch wenn der AdR nicht direkt Einfluss auf die EU-Gesetzgebung nehmen kann, kann er diese jedoch wesentlich beeinflussen, da die Mitarbeiter dort eine starke Nähe zu Kommission und Parlament sowie zu den Bürgern ihrer Herkunftsregion haben und sich oft besser mit vielleicht auftretenden negativen Konsequenzen in einzelnen Gebieten eines Landes auskennen als die Politiker im Parlament. Hauptziel für die Zukunft sei, so Steffens, die Arbeit des Ausschusses so weit auszudehnen, dass er als weiteres offizielles Organ der EU agieren könne und bei wichtigen Beschlüssen berücksichtigt werden müsse.

Nach drei ereignisreichen Tagen in einer sehr internationalen, offenen und pulsierenden Stadt traten wir am 5.Tag unsere Heimreise nach Hersbruck an- mit Erfahrungen einer letzten Schulfahrt, die uns keiner mehr nehmen kann.

 

Das P-Seminar bedankt sich herzlich bei der Raiffeisenbank Hersbruck eG und der Firma Dauphin, ohne deren großzügige monetäre Unterstützung diese spannende Fahrt nicht möglich gewesen wäre.

 

Sophie Kellner, Nils Göhne-Weidinger, Niklas Günzel (Q12)