Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen der nationalsozialistischen Verfolgung werden immer seltener. Die Gedenkstätte Flossenbürg sucht deshalb seit einigen Jahren neue Wege der historischen Vermittlung und setzt verstärkt auf Gesprächsformate mit Angehörigen von Überlebenden.
Dabei geht es ausdrücklich nicht um ein bloßes Nacherzählen oder ein „Ersetzen“ der Überlebenden. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Nachkommen selbst: Wie prägt die Familiengeschichte ihr Leben, ihr Selbstverständnis und ihren Umgang mit Erinnerung? Diese Perspektive eröffnet neue Zugänge zu den Langzeitwirkungen von Verfolgung und Überleben.
Ein solches Dialogformat fand vor Schülerinnen und Schülern der 11a sowie einem Kurs aus der Q12 statt. Schülerinnen und Schüler der Klasse 6e begrüßten die Gäste am Paul-Pfinzing-Gymnasium mit einem herzlichen Empfang. Das Gespräch mit Phil Glauben aus Dallas, Texas, Sohn des Holocaustüberlebenden Max Glauben, und Youp Zwolschen aus Utrecht, Enkel des Überlebenden Antoon Bink, wurde von Dennis Forster moderiert. Forster brachte als Deutscher ohne eigene familiäre Verfolgungsgeschichte eine eigene Perspektive ein, die den Blick auf Verantwortung und die deutsche Täterseite mitreflektiert.
Max Glauben überlebte als Kind und Jugendlicher das Warschauer Ghetto sowie die Konzentrationslager Majdanek und Flossenbürg; später engagierte er sich viele Jahre als Zeitzeuge. Antoon Bink stammte aus Haarlem, wurde im Krieg zur Zwangsarbeit deportiert und Flossenbürg verschleppt; nach der Befreiung kehrte er in die Niederlande zurück.
Durch die Verbindung dieser Biographien entsteht ein vielschichtiger Dialog über Erinnerung, Weitergabe und historische Verantwortung. Es wird so deutlich, dass Geschichte nicht nur bewahrt, sondern immer wieder neu befragt und in die Gegenwart übersetzt werden muss.
Photo: Glauben