Geschichte wird meistens aus Büchern gelernt, doch greifbar wird sie erst vor Ort. Dieser Prämisse folgten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9c des Paul-Pfinzing-Gymnasiums (PPG) Hersbruck. In einer Kooperation mit der Volkshochschule (VHS) Hersbrucker Schweiz begab sich die Gruppe auf eine intensive Exkursion zu den historischen Schauplätzen des Nationalsozialismus in der Region. „Als Volkshochschule verstehen wir uns als Ort des Lernens und des Dialogs“, sagt hierzu VHS-Leiter Dr. Felix Steffan. „Um Vorurteile zu hinterfragen und die Demokratie zu stärken, ist es wichtig, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.“ Die Fahrt führte zu mehreren Stationen, an denen sich Vergangenheit, Erinnerungskultur und lokale Geschichte auf eindrückliche Weise verbinden.
Erste Station war das ehemalige KZ-Außenlager Hersbruck. Das Lager bestand von Sommer 1944 bis April 1945 und diente der NS-Rüstungswirtschaft. Die Schülerinnen und Schüler erklärten vor Ort fachkundig, dass Hersbruck eines der größten Außenlager des KZ Flossenbürg war und die Häftlinge hier unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit verrichten mussten.
Im Anschluss richtete sich der Fokus auf die architektonischen Planungen des Regimes. Die Gruppe besichtigte die Reste des Prototyps für das „Deutsche Stadion“. Die Jugendlichen zeigten eindrucksvoll auf, dass diese monumentale Anlage – deren Ausmaße zuvor in Oberklausen erprobt wurden – sinnbildlich für den Größenwahn des Regimes stand und verdeutlichte, wie Architektur zur Machtinszenierung instrumentalisiert wurde. Die Reise führte weiter zur Burg Veldenstein in Neuhaus an der Pegnitz, die als privater Repräsentationsort von Hermann Göring diente. Hier diskutierte die Gruppe, wie sich die NS-Elite in der Provinz inszenierte und welche regionalen Spuren diese Machtkonzentration bis heute hinterlässt.
Der letzte Abschnitt der Exkursion führte nach Pottenstein. Die Schülerinnen und Schüler beleuchteten dabei nicht nur die dunkle Geschichte des dortigen KZ-Außenlagers, sondern arbeiteten auch die Verbindung zur lokalen Geografie heraus. Sie erläuterten die Rolle der Karstlandschaft in der Fränkischen Schweiz und wie die SS die natürlichen Gegebenheiten des Ortes ausnutzte: Häftlinge wurden unter anderem zum Ausbau der Teufelshöhle sowie zu Arbeiten am Schöngrundsee und im Straßenbau missbraucht.
Vor Ort wurden die Jugendlichen von Bürgermeister Christian Weber und Peter Engelbrecht empfangen. Weber betonte in einer Ansprache, wie essenziell eine lebendige Erinnerungskultur für die heutige Jugend ist. Peter Engelbrecht, ein ausgewiesener Experte für die regionale NS-Geschichte, ergänzte die Ausführungen der Schüler und erklärte u. A. den Aufbau des Barackenlagers und spannte den Bogen zwischen SS-Führung und lokaler Infrastruktur.
Die Begegnung in Pottenstein machte deutlich, dass historische Bildung weit über das Klassenzimmer hinausgeht. Durch die aktive Auseinandersetzung mit der lokalen Geologie, der Architektur und den Zeugnissen des Terrors wurde die Exkursion für die Schülerinnen und Schüler zu einer prägenden Reise durch die Geschichte ihrer Heimat – von den Verbrechen des Nationalsozialismus bis zur Frage, wie wir heute verantwortungsvoll mit diesem Erbe umgehen.